Ist das jetzt schon Doppelmoral, oder will man einfach nicht die Widersprüche wahrnehmen? Seit Jahren propagiert unsere Verwaltung die Notwendigkeit der Innenraumverdichtung, forciert den Dachgeschoßausbau und die Schaffung von Wohnraum in zweiter Reihe, um den besorgniserregenden Flächenverbrauch zu begrenzen – und will nun gleichzeitig am südlichen Ortsrand 1,8 Hektar unserer fruchtbarsten landwirtschaftlichen Böden für den Bau von eingeschossigen (!) Discountern zur Verfügung stellen. Mit der teilweisen Öffnung des Walzbachs möchte man Aufenthaltsqualität schaffen und die Attraktivität unserer Bahnhofstraße als zentrale Achse für Handel und Kleingewerbe steigern und erzeugt gleichzeitig eine massive Konkurrenzsituation, der die letzten Ladengeschäfte im Ort niemals gewachsen sein werden. Und nicht zuletzt sorgt man sich permanent um den weniger wohlhabenden Teil unserer Einwohner und betont die eigene Familienfreundlichkeit, während man gleichzeitig bereit ist, den reichsten Personen unseres Landes weitere Expansionsmöglichkeiten für ihre Geschäftsfelder zu schaffen und damit den ungebremsten Vermögenstransfer von unten nach oben und die Zerstörung des Mittelstands nicht nur in Kauf zu nehmen, sondern tatkräftig zu unterstützen.
Ja, es ist schwierig, wenn Worte und Taten nicht im Einklang stehen, und die Gemeinderäte der FDP wünschen sich tatsächlich manchmal zwei Gehirne, weil so viele innere Widersprüche nicht in einen Kopf passen. Ja, wir wünschen uns eine generell andere Kommunalpolitik, eine Dorfentwicklung, die private Initiative, Handel, Handwerk und Gewerbe unterstützt und die Selbstverantwortung in den Mittelpunkt stellt. Wir wünschen uns eine Politik der kleinen Schritte, mehr Nachdenklichkeit und auch mehr kritische Rückschau auf das Geschaffene als den gegenwärtigen Schweinsgalopp, der dem Gemeinderat ständig unter Zeitdruck getroffene Entscheidungen abverlangt. Wir wollen Gemeinderatssitzungen, in denen man nicht von teuren externen Beratern und Menschen, die alles besser wissen, zugetextet wird, sondern einen fairen Wettbewerb der Ideen und Argumente. Und nicht zuletzt wünschen wir uns eine Rückbesinnung auf das im Grundgesetz verankerte Prinzip der kommunalen Selbstverwaltung statt permanenter Selbstaufgabe. Die Sommerpause hat begonnen, vielleicht gibt sie uns Zeit zum Nachdenken, dass es so nicht weitergehen kann.

Seit Jahren forciert unsere Verwaltung die bauliche Nachverdichtung im Innenbereich mit dem Argument, den Flächenverbrauch zu reduzieren. Nun sollen zwei eingeschossige Discounter auf 18.000 Quadratmetern am südlichen Ortsrand angesiedelt werden. Das passt nicht zusammen. Geht es vielleicht nur um einmalige Einnahmen aus dem Verkauf der gemeindeeigenen Flächen?