Runter vom Traumschiff!

Der Besuch einer Gemeinderatssitzung ist unterhaltsamer als ein Abend schlechtes Fernsehen – und obendrein noch völlig gebührenfrei. Man erlebt mit, wie über die Fraktionen hinweg um manche Entscheidung regelrecht gerungen wird, informiert sich über die aktuellen Themen, und bei knappen Mehrheiten wird es auch richtig spannend, wie die Abstimmung letztendlich ausgehen wird.

Eine traurige Ausnahme bildete jedoch die Ratsitzung am 23. Juni, bei der sich vor allem der dritte Akt unverhältnismäßig in die Länge zog und die Besucher nicht mehr wussten, ob sie ein Drama oder ein Lustspiel mitverfolgen. Bereits mehrfach hatten Technischer Ausschuss und Gesamtgemeinderat über die genaue Position einer neuen Leichtbauhalle für die Feuerwehr auf dem Festplatz beraten. Mit dem Vorschlag einer Ampelregelung auf der Ringstraße für den Einsatz- und Übungsfall war eine pragmatische und kostengünstige Lösung gefunden worden, die zudem bereits vorab vom Polizeipräsidium Karlsruhe als genehmigungsfähig eingestuft worden war. Somit hätte die Beschlussfassung in wenigen Minuten erfolgen können, doch es kam anders. Über die sich nach Präsentation der Vorlage entwickelnde Endlosdiskussion berichtet unser Amtsblatt mit einer gewissen Zurückhaltung: „Der Gemeinderat beschließt anschließend nach eingehender Beratung …. diese Variante“.

Ganz selbstverständlich sollten auch aus Sicht der FDP-Fraktion bei richtungsweisenden Entscheiden alle Konsequenzen wohl bedacht werden. Gleichzeitig hat jedoch unser kommunales Entscheidungsgremium ein ambitioniertes Arbeitsprogramm zu leisten, und man kann sich auch regelrecht „verzetteln“. Mitunter genügt ein aufmerksamer Blick auf unsere Haushaltslage, um gewisse Ideen gar nicht weiter zu verfolgen. Wir werden niemals den Walzbach in der Bahnhofstraße wieder öffnen, wohl auch kein Außenbecken beim Hallenbad bauen, wir werden auch keine Ladengeschäfte aufkaufen, um diese dann kostengünstig an örtliche Händler zu verpachten, und auch um das geplante Ärztehaus in der Bahnhofstraße ist es erstaunlich ruhig geworden. Selbst über den mehrheitlich beschlossenen Schulneubau auf dem Festplatz redet man im Konjunktiv, während gleichzeitig erwartete Einnahmen und Verkaufserlöse ausbleiben und die Belastungen der Kommunen zunehmen. Vielleicht ist es jetzt endlich an der Zeit, das Traumschiff zu verlassen und an festes Land zu gehen!