Unser Baggersee bleibt Naherholungsgebiet!

Manchmal braucht man gar keine Drehbuchautoren, weil das Leben selbst die unglaublichsten Geschichten schreibt. So auch wieder am 28. April, als man im Weingartener Bürgersaal über die Möglichkeit einer schwimmenden Solaranlage auf dem Baggersee debattierte, während zeitgleich die gesamte iberische Halbinsel durch einen dramatischen Stromausfall „zurück in die Steinzeit“ geworfen wurde und Menschen in U-Bahntunneln und Aufzügen um ihr Leben bangten. Vermutete Ursache: Der allzu rasante Ausbau der technisch schwierig zu regelnden „regenerativen Energien“, insbesondere der Photovoltaik.

Wie kam es dazu? Bereits im Jahre 2003 hat der Regionalverband Mittlerer Oberrhein Vorbehaltsgebiete für Solarfreiflächenanlagen ausgewiesen. In dieser Planung war unser Baggersee nicht enthalten. Im Verlauf der kürzlich erfolgten Fortschreibung wurde nun die Seefläche mit aufgenommen und die Gemeinde im Rahmen der ersten Offenlage um eine Stellungnahme gebeten. Obwohl der Gemeinderat in der Vergangenheit mehrfach Freiflächenanlagen auf unserer Gemarkung abgelehnt und zunächst den Schwerpunkt auf die vorhandenen Dachflächen gelegt hatte, meldete die Verwaltung unter Umgehung dieses deutlichen Votums keine Bedenken gegen die Planung an – eine beispiellose Missachtung der Zuständigkeit der demokratisch gewählten Entscheidungsträger. In der zweiten Offenlage war dann die Seefläche aufgrund einer naturschutzfachlichen Einschätzung durch das Landratsamt nicht mehr enthalten. Anstatt jedoch diese Entscheidung zu unterstützen, forderte die Verwaltung den Gemeinderat zum exakten Gegenteil auf und bat unter Berufung auf einen nicht namentlich genannten „Weingartener Naturschutzexperten“ um ein Votum für die Beibehaltung der ursprünglich vorgesehenen Vorbehaltsfläche.

Mit deutlichen Worten machte die FDP-Fraktion in ihrer Stellungnahme denn auch klar, dass es bei dem Weingartener Baggersee neben Naturschutz auch um die Sozial- und Freizeitfunktion eines zentralen Naherholungsgebietes für die Einwohner Weingartens geht. In einer Zeit, in der sich zwanzig Prozent der Haushalte keine Urlaubsreise mehr leisten könne, sei es geradezu menschenverachtend, die Segler, Angler und Erholungssuchenden aufzufordern, um eine über fünf Hektar große Photovoltaikanlage herumzuschwimmen. Lediglich die WBB- und GLW-Fraktion sowie Bürgermeister Bänziger stimmten letztendlich für die Option einer Photovoltaikanlage auf Weingartens beliebtem Freizeitsee. Für die FDP-Fraktion steht jedenfalls gemäß ihrem Amtseid das Wohl der Einwohner Weingartens jetzt und auch in Zukunft an erster Stelle.