Unser Beitrag zum Bürokratieabbau

„Simplify your life – vereinfache Dein Leben“ – unter diesem Titel erschien 2001 ein Ratgeber von Werner Küstenmacher und arbeitete sich innerhalb kürzester Zeit auf die Bestsellerlisten des Buchhandels hoch. Der Autor schien einen Nerv getroffen zu haben. Immer mehr Menschen spürten eine zunehmende und zugleich lähmende Komplexität und suchten nach Wegen, um Ballast abzuwerfen und wieder Freiräume im Denken und Handeln zu gewinnen. Leider kam die Botschaft der Buchreihe mehr im privaten als im öffentlichen Bereich an. Nach wie vor wächst auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene Reglementierung schneller als das Gras nach einem Regenschauer im Monat Mai und bestätigt dabei die von dem britischen Historiker Cyril Northcote Parkison im Jahre 1955 veröffentlichte Regel, dass jede Bürokratie eine ungezügelte Eigendynamik entwickelt und an einem gewissen Punkt zur unproduktiven Beschäftigung mit sich selbst gerät.

Ein trauriges Beispiel für diesen Mechanismus ist der Umgang mit dem am 20. Oktober beschlossenen Bürgerentscheid zur Verpachtung kommunaler Flächen für den Bau von Windkraftanlagen auf unserer Gemarkung. Aus einer Fragestellung, die sich auf fast spielerische Weise mit Ja oder Nein beantworten lässt, entwickelte sich im Zentrum unseres Ortes unter tatkräftiger Mitarbeit einer externen Beratungsgesellschaft namens „endura kommunal GmbH“ ein Bürokratiemonster, das nicht nur den Blick für das Wesentliche verstellt, sondern gleichzeitig geistige Kapazität, personelle Ressourcen und wertvolle Sitzungszeit unnötig blockiert. So extrahierte man aus einem ursprünglich 17 Punkte umfassenden Katalog letztendlich vier verpflichtende und vier weitere „begünstigende“ Kritereien für die Ausschreibung der Flächen nach einem hypothetischen positiven Votum der stimmberechtigten Einwohner Weingartens am 8. März, wobei die Abgrenzung des Begriffs „begünstigend“ ebenfalls wiederum Spielraum für stundenlange Debatten schafft. Da wollte die FDP nicht mitmachen.

Wir sollten die Dinge einfach gestalten und auf die Urteilskraft der Einwohner Weingartens vertrauen – dies war denn auch die Kernaussage der FDP-Fraktion in der Sitzung vom 24. November, die von zahlreichen Besuchern mit Spannung verfolgt wurde. Und vielleicht – oder auch hoffentlich – brauchen wir uns nach dem Bürgerentscheid überhaupt nicht über Kriterienkataloge zu unterhalten…

Das Team der in Freiburg ansässigen Beratungsgesellschaft „endura kommunal“