Pleiten, Pech und Pannen

Freie Demokraten beantragen strukturiertes Vorgehen bei der Vergabe der Gewerbeflächen im „Sandfeld“

Man kann es beim besten Willen kaum höflicher formulieren: Die Gewerbepolitik in Weingarten ist geprägt von mangelnder Struktur und Hilflosigkeit: Während sich in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg auf jeder am Ortsrand gelegenen Ackerfläche ein Handwerks- oder Produktionsbetrieb ansiedeln konnte und verzweifelte LKW-Fahrer auf der Suche nach den im Süden, Westen, Norden und Osten verstreuten Firmen zum örtlichen Alltag gehörten, versuchte man seit den achtziger Jahren, etwas Ordnung in die Sache zu bringen. Leider brachte auch dieser Anlauf nicht den erwarteten Erfolg. Zwar konzentrierte man die Gewerbeentwicklung auf die Flächen westlich der Bahnlinie entlang der Rudolf-Diesel-Straße, doch gleichzeitig wurde die Nachfrage nach den in Weingarten im Vergleich zu den Nachbargemeinden teuren Gewerbegrundstücken hoffnungslos überschätzt. Dies führte dazu, dass in den wachstumsschwachen neunziger Jahren ein Teil der Flächen zur Deckung des akuten kommunalen Finanzbedarfs zweckentfremdet für Wohnzwecke oder an kirchliche Gemeinschaften vergeben wurden. Dadurch blieben nicht nur die Gewerbesteuereinnahmen hinter den Erwartungen zurück, sondern es stellten sich obendrein Zielkonflikte zwischen Wohnen und Gewerbe ein. Auch ein zwischen Kfz-Werkstätten und Fertigungsbetrieben eingeklemmter kommunaler Kindergarten ist eher Symbol für temporären Betreuungsnotstand als für geordnetes städteplanerisches Handeln.

Wegweiser zum Gewerbegebiet
Im Weingarten der neunziger Jahre versuchte man, mit einem Orientierungssystem die Suche nach den wahllos verstreuten Gewerbebetrieben zu vereinfachen

Volle sieben Jahre hat nun die administrative Entwicklung und Umlegung des kurz vor seiner Erschließung stehenden Gewerbegebiets „Sandfeld“ gedauert. Insbesondere seine tiefe Lage und die damit verbundenen Schwierigkeiten bei der Entwässerung des Geländes haben nicht nur planerische Kreativität beansprucht, sondern gleichzeitig die Kosten für das Rohbauland deutlich in die Höhe getrieben. Angesichts zunehmender Flächenknappheit, restriktiver Vorgaben durch den Nachbarschaftsverband Karlsruhe und der Zeitdauer der Verwaltungs- und Bebauungsplanverfahren für die Erschließung neuer Flächen wird die Erweiterung des in Richtung Baggersee gelegenen Areals auf absehbare Zeit wohl die letzte Chance für eine wirklich geordnete Gewerbeentwicklung und damit einen klaren Impuls für die örtliche Wirtschaft darstellen.

Auch wenn man aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat und zukünftig eine Wohnnutzung zwischen und in den Gewerbebetrieben weitgehend ausschließen möchte, muss aus Sicht der Freien Demokraten die Vergabe der Flurstücke an die (hoffentlich zahlreichen!) gewerblichen Interessenten mit besonderer Sorgfalt und unter Berücksichtigung bestimmter Kriterien erfolgen. So wäre zu diskutieren, ob bereits existierende und erfolgversprechende örtliche Unternehmen Vorrang bei der Zuteilung genießen sollten. Auch Arbeitsplatzdichte, zu erwartende Emissionen, zusätzliches Schwerlastverkehrsaufkommen oder ein Engagement der ansiedlungswilligen Betriebe für das Gemeinwohl könnten beim bevorstehenden Vergabeverfahren berücksichtigt werden. Mit ihrem Antrag auf Erstellung eines Kriterienkatalogs für die Vergabe der Gewerbeflächen im Sandfeld möchte die FDP-Fraktion daher nicht nur Fehlentwicklungen der Vergangenheit vermeiden, sondern die Diskussion dahin platzieren, wo sie hingehört: In den Gemeinderat und an den Beginn eines Zuteilungsverfahrens, das transparent, offen und schlüssig geführt werden sollte.

Text: Matthias Görner