Warum zieht man teure Experten zu Rate – wenn man hinterher dann doch tut, was man will?

Kaum ein Planungsvorhaben wurde in jüngster Vergangenheit so intensiv diskutiert wie die Neugestaltung des Verkehrsraumes im Zuge der Sanierung der Jöhlinger Straße. Der Zielkonflikt zwischen Durchlässigkeit für den Verkehr, Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern und Wohnqualität der Anwohner war nicht nur Gegenstand zahlreicher Sitzungen des Ausschusses für Umwelt und Technik und des Gesamtgemeinderats, sondern wurde überdies in einer ganzen Reihe öffentlicher Informationsveranstaltungen intensiv diskutiert. Bereits Anfang 2017 erstellte das beauftragte Planungsbüro Modus-Consult eine detaillierte Bestandsaufnahme und einen Katalog von Zielvorgaben. Zusammen mit einer Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 km/h und der Erhöhung der Sicherheit für nicht motorisierten Verkehr hatte die Schaffung eines mindestens 1,50 m breiten Gehwegs sowie ausreichender sicherer Querungshilfen für Fußgänger oberste Priorität. Diese Planungsziele wurden vom Gemeinderat bei den verschiedensten Gelegenheiten bestätigt und daher die im Zuge der Ausführungsarbeiten aufkommende Forderung nach der Installation von Sicherungspfosten auf dem südlichen Bürgersteig zunächst abgelehnt. Man verständigte sich lediglich auf die Formel, zunächst nach Inbetriebnahme der Straße Alltagserfahrungen zu sammeln und bei Bedarf an besonders kritischen Stellen gegebenenfalls zusätzliche Sicherungen zu errichten.

Bilder der Jöhlinger Straße mit den unterscheidlichen Pollern

Bereits im September 2020 hat die FDP-Fraktion in einem Schreiben an die Verwaltung auf eine zu geringe Restgehwegbreite im Falle einer Nachrüstung mit Pollern hingewiesen und eine Besichtigung der Situation durch den Ausschuss für Umwelt und Technik oder Gesamtgemeinderat angeregt. Dieser Antrag wurde niemals formell abgearbeitet und die Pfosten und Poller auf dem südlichen Bürgersteig der Jöhlinger Straße ohne vorherige Beratung und Beschlussfassung durch den Gemeinderat in Eigenregie der Verwaltung platziert. Das Ergebnis ist beeindruckend und kann sich sehen lassen: Gerade 120 Zentimeter Durchgangsbreite zwischen Poller und Hauswand verbleiben beim „Rosenbuckel“ für die ursprünglich besonders schützenswerten Fußgänger, die nicht immer nur alleine spazieren gehen, sondern auch gerne mal als Paar zu zweit unterwegs sind, ein Kind an der Hand führen oder einen Kinderwagen zu schieben haben. Ein weiterer Pfosten in Richtung Jöhlingen reduziert den Gehweg sogar auf knappe 105 Zentimeter – ein familienfreundlicher Bürgersteig sieht definitiv anders aus. Das bei Planungsbeginn vom Gemeinderat definierte Mindestmaß von 1,5 Metern wurde somit um fast ein Drittel verfehlt.

Nach den vorausgegangenen intensiven Beratungen hätten wir uns gewünscht, dass die Gemeindeverwaltung die Anregungen der FDP-Fraktion aufgreift und den Gemeinderat beim finalen Feinschliff einbindet, um das Projekt nicht nur gemeinsam zu planen, sondern auch im Konsens statt im Nonsense abzuschließen.